Anners Guide good? – Guiding in Holland.

Angeln ist schön

Hier nun ein kurzer Bericht von unserer ersten Profi-Guiding Tour, die uns am vergangenen Wochenende tief ins holländische Friesland gelockt hat.
Wir hatten eine Tour bei den Visguids über http://www.devisgids.nl/ gebucht und waren gespannt was uns erwartete. Wir hofften durch die Tour Einblicke in die Gewässer der Region zu bekommen und in einem unbekannten Revier recht schnell an die heissen Ecken geführt zu werden. Ausserdem erhoffte ich mir einige Tipps in Sachen Boots-Ausrüstung und Set-Up an Bord. Dazu hoffte ich noch mir einiges bei der Bootsführung abgucken zu können.

Soviel vorweg: Wir waren ein wenig enttäuscht als wir auf der Autobahn heimwärts gezuckelt sind. Unsere Erwartungen wurden so leider nicht erfüllt…

Aber der Reihe nach. Die Buchung war ganz einfach. Anfrage per Mail gestellt, schnell kam ne Info mit Kosten etc. zurück. Wir haben uns dann überlegt, Groningen als Zielort zu nehmen, damit man die Gewässer später auch noch mal auf eigene Faust befischen kann. So wurde uns dann ein Guide entsprechend empfohlen. Kurz die Buchung bestätigt, Rechnung per Email erhalten und die Dinge nahmen ihren Lauf…
Die weitere Kommunikation war dann aber nicht mehr so doll. Wir wurden weder gefragt, was unser Zielfisch sei, noch wohin wir am liebsten wollten. Kurz vorm Termin gab s ne Mail mit Treffpunkt. Des wars… Nun denn, die Wahrheit ist auf dem Platz,sprich auf dem Wasser. Also zeitig los und ab nach Kollum, in die niederländische Provinz Friesland. Das in Holland mehr im Strassenbau investiert wird als hierzulande konnten wir dann auch am eigenen Leib erleben… Unser Navi stand einige Male auf dem Schlauch… Aber egal, halbwegs pünktlich kamen wir an der Slippe an.

Die Slippen in Holland sind im Verhältnis zu unseren hier ein echter Traum. Komplett betoniert, super ausgebauter Weg, extra ausgesparte Rampe und somit windgeschützt, und dann rundherum Stege zum Anlegen und Beladen. Mit einem Wort: Perfekt! Sowas gibt es in Holland oft, während man hier ja meistens mit fiesen Notslippen zu tun hat, oder komplett von den Anliegern ausgesperrt wird. An einem dieser Stege lag jedenfalls unser Boot für die kommenden Stunden, und unser Guide erwartete uns. Nach kurzer Begrüßung konnte es dann auch los gehen, als Sprache einige man sich auf Englisch. Angeln International :)
Er erklärte uns, das wir es an diesem Tag mit Trolling (Schleppen) und Vertical Jigging probieren würden, was ans Band zu bekommen. Die Ausrüstung dazu wurde komplett vom Guide gestellt. Die Ausstattung war soweit auch total ok, Vertikalruten und Schleppruten aus dem mittleren Preissegment von Savage Gear in Kombination mit Shimano bzw. Abu Rollen wurden uns in die Hand gedrückt. Damit konnten wir arbeiten…
Das Boot war wie erwartet ein richtiges Prachtstück. Drehstühle für drei Angler, dazu rundum Scotty Rutenhalter und an jedem Platz grosse Lowrance Kartenplotter mit Ansicht des normalen Echolots und des Structure Scans, einem seitlichen Sonar. Die Bildschirme waren professionell installiert und aufgeständert um bestmögliche Sicht zu garantieren. Der Guide hatte zusätzlich noch einen weiteren Schirm mit Kartenansicht für die Navigation zur Verfügung. Als Motoren waren ein 50 PS Yamaha sowie ein Minn Kota Terrova Bugmotor mit ipilot System montiert. Kurzum: Perfektes Equipment. Viel mehr geht nicht. Im Verlauf unserer Tour erzählte uns Rene dann noch, das er das Boot selbst entworfen und gebaut hat. Hut ab, kann man da nur sagen, ein wirklich tolles Boot. Wer Lust hat, kann sich hier mal die Fotogalerie des Bootsbaus ansehen…

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Die Angeltour selbst ist dann schnell erzählt. Wir waren auf den Wassern rund um Kollum unterwegs, ne echt schöne Ecke mit sehr heissen Spots. Typische Polderkanäle mit einigen tieferen Ecken. Die Idee des Guides war, das wir in den flacheren Ecken nach den Hechten suchen wollten. Aktives Suchen indem wir kleine und grosse Wobbler schleppten und dann heisse Ecken intensiver Vertikal ausangelten. In der Theorie sicherlich eine stimmige Taktik, leider wars nicht so einfach wie es klingt. Der Sturm, der die Tage zuvor auch in den Niederlanden tobte, hatte Unmengen an Unrat, Blätter, Schilf und Gräser ins Wasser geweht. So konnte man die Wobbler kaum über eine längere Zeit fängig präsentieren. Immerzu hing wieder Geäst oder anderes Zeug an Schnur und Haken und verhinderte so einen freien Lauf. Auf die grossen Brummer ging an diesem Tag gar nichts, mit kleineren Wobblern konnten wir uns dann immerhin alle entschneidern und hatten so am Ende 6 Hechte im Boot und dazu noch 4 oder fünf Aussteiger zu verzeichnen. Leider waren es aber allesamt nur kleine Schniepel, die uns ans Band gingen. An einigen Brücken versuchten wir dann auch das Vertical Jigging, eine schnellere und leichtere Form des Vertikalangelns. Eine Köderpräsentation, die uns allerdings nicht so lag und leider auch kaum Bisse provozierte an diesem Tag. Bei beiden Techniken hatte unser Begleiter immer einen ordentlichen Zahn drauf, er war deutlich schneller unterwegs, als wir es sonst gewohnt sind. Er erklärte den Speed mit dem klaren Wasser und meinte das die Hechte so weniger Zeit hätten, den Köder zu inspizieren. Eine interessante Theorie, die an diesem Tag jedoch nicht aufging. Das war es dann auch was uns ein wenig enttäuschte. Er hat von Anfang bis zum Ende diese Methode durchgezogen, auch wenn sie einfach nicht zum Erfolg führen wollte. Es wurde auf Dauer wirklich eintönig, die Wobbler immer und immer wieder von Unrat zu befreien und aufs Neue in den Kanal zu schlenzen. Da hätten wir uns ein wenig mehr Flexibilität gewünscht. Was die Erklärungen anging, hätte es gerne etwas mehr sein können. Und auch bei den Montagen und Ködern wars ähnlich. Testen und Probieren war nicht angesagt. Entweder er war total von den montieren Ködern überzeugt, oder aber er wusste das auch Köderwechsel-Arien nicht mehr Erfolg bringen würden… Schade, aber da hätten wir uns sicherlich ein wenig mehr gewünscht. So ging die Tour dann ohne nennenswerte holländische Fische zu Ende. Spass gemacht hat es trotzdem. Es ist einfach schön, bei wunderschönem Herbstwetter durch die Kanäle Frieslands zu schippern. Vorbei an typischen holländischen Windmühlen und unter alten Klappenbrücken hindurch. Ein tolles Boot unterm Popo und immer in der Hoffnung, das jeden Moment doch noch ein großer holländischer Polderhecht einsteigen könnte. Und deshalb würde ich auch noch mal einen solchen Trip bei Rene buchen. Das der Mann Ahnung hat konnte man in jedem Fall merken und das zeigen ja auch seine Fangfotos recht eindrucksvoll. Schade das es an diesem Tag nicht so recht passte.

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